Die kleinen Freuden des Lateinlehrers: Stilblüten

(Die richtige Übersetzung steht in Klammern, die Stilblüten sind durch Kursivschrift gekennzeichnet)

Letzte Änderung:14.03.2010

Bello finito ...
(Nachdem der Krieg beendet worden war...)
Der Hund ist tot ...

Menenius Agrippa rettete den Staat mit der Geschichte vom Magen und den anderen Körperteilen:

Aliquando plebs iudiciis acribus et iniustis irata urbe cessit et in Monte Sacro consedit.
(Einst verließ das einfache Volk, das wegen der harten und ungerechten Gerichtsurteile zornig war, die Stadt und ließ sich auf dem Heiligen Berg nieder.)

Einst verließ das Volk wegen der scharfen Gerichte ... die Stadt... (Randnotiz: Zu viel Paprika?)
Eines Tages ließ sich die Plebs mit einem harten Gericht und Zorn in Monte Sacro nieder. (Randnotiz: Mit Knäckebrot?)

Aliquando membra* corporis seditionem contra stomachum fecerunt.
(Einst machten die Organe des Körpers einen Aufstand gegen den Magen)
* Um Missverständnissen vorzubeugen, war als Vokabelhilfe „membrum - Körperteil, Organ“ angegeben worden; es half aber alles nichts!

Einst mochten sich das Glied und der Magen nicht.
Einst gefiel das Glied, der Körper, der Magen nicht mehr.
Einmal unterhielten sich Magen, Körper und Glied.


Membra inter se dixerunt:
(Die Körperteile sagten unter einander:) ...
Das Glied sagte unter sich: ...

Ita membra fecerunt, sed brevi tempore omne corpus, quod cibo privatum erat, se defatigatum et in periculo mortis esse cognovit.
(So machten es die Körperteile, aber bald erkannte der ganze Körper, der keine Nahrung mehr bekam/ der Nahrung beraubt war, dass er geschwächt und in Todesgefahr war.)
So machten sie das Glied, ...
Deshalb machte das Glied nichts, aber nach kurzer Zeit war der Körper geschwächt.
Die Organe gingen K.O. aber nach kurzer Zeit der ganze Körper, weil er keine private Nahrung mehr bekam.

Quintus Fabius Maximus, noch ein Retter des Vaterlandes:

(Quo in discrimine Quintus Fabius Maximus animos patrum confirmavit) et saluti civitatis consuluit.
(In dieser gefährlichen Lage ermutigte Quintus Fabius Maximus die Senatoren und sorgte für das Wohl des Staates.)
... und er beratschlagt sich mit wohlerhaltenen Bürgern. (ablativus mortalis)

Die etwas andere Geschichte von den kapitolinischen Gänsen:

Anseres sacri Iunonis autem magno clamore M. Manlium, virum fortem, excitaverunt.
(Die heiligen Gänse der Juno jedoch wecktem mit lautem Geschnatter Marcus Manlius, einen tapferen Mann, auf.)
Die kapitolinischen Gänse griffen mit großem Geschrei M.M. an, einen kräftigen Mann, und erschreckten ihn.
Anseres der Heilige, schrie laut nach Manlium, der Mann ...
Die heiligen Gänse wurden von dem großen Geschrei des M.Manlium, einem kreftigen Mann, aufgeschreckt. (Original-Rechtschreibung!).

M.Manlius clamore anserum excitatus arma rapuit.
(Marcus Manlius, der durch das Geschnatter der Gänse aufgeschreckt worden war, riss die Waffen an sich.)
M.M., welcher Waffen raubt und schreit, erobert die Gänse.

Sagenhaft, dieser Hercules!

I. Die Sache mit dem Augias-Stall: So‘n Mist aber auch!

Boves, quos ille rex possidebat, numerari non poterant.
(Die Rinder, die jener König besaß, konnte man nicht zählen.)
Die Rinder, die jener König besaß, konnten nicht zählen.
(Randnotiz: Mein Kater kann auch nicht zählen!)

Ingens erat copia stercoris, quod in stabulis atque in aula iacebat.
(Riesig war die Menge an Mist, der in den Ställen und auf dem Hof lag.)
Der Mist der Truppen war riesig, weil sie im Stall und auf dem Hof lagen.
Es gab gewalttätige Mengen an Mist, welche aus dem Stall auf den Hof geworfen wurden.


Nemo stercus removebat.
(Niemand entfernte den Mist.)
Immer kehrte der Mist zurück.

Itaque homines eius regionis iam diu odore malo vexabantur.
(Deshalb wurden die Menschen dieser Gegend schon lange von dem üblen Gestank belästigt.)
Deshalb riechten viele Menschen aus der Region den quälenden Gestank. (Original-Grammatik)!
Deshalb waren die Menschen schon lange Zeit durch den Geruch böse.
Deshalb hielten die Einwohner dieser Region den Gestank schon bald schlecht aus.

Eurystheus rex Herculem stabula Augiae uno die purgare iussit.
(König Eurystheus befahl Hercles, die Ställe des Augias an einem Tag zu säubern.)
Eurystheus, der Herr über Hercules, warf Hercules in den Stall des Augias, um diesen an einem Tag zu säubern.
Eurystheus befahl dem König eines Tages, den Stall mit Herkules zu säubern. (Randnotiz: "Herkules" der neue Allesreiniger?)

Dann sollte Herkules den Stall des Königs Augias einmal göttlich säubern.


Itaque aquam fluminis, quod praeter aulam fluebat, in stabula atque aulam rexit et stercus eo modo removit.
(Daher lenkte er das Wasser eines Flusses, der am Hof vorbeifloss, in die Ställe und in den Hof und beseitigte auf diese Weise den Mist.)
Deshalb ließ er einen Wasserstrom in den Stall und den Hof laufen, und der Mist entfernte sich selbst.

Homines a malo odore liberati Herculi magnam gratiam habuerunt.
(Die Menschen, die von dem üblen Gestank befreit waren, waren Hercules sehr dankbar).
Menschen, die vorher wegen dem Gestank böse waren, dankten Hercules.

II. Die Sache mit dem Löwen! Ganz schön schwierig!

Quondam in Graecia homines leone feroci, ... , terrebantur.
(Einst wurden die Menschen in Griechenland von einem wilden Löwen, ..., in Schrecken versetzt.)
Einst fürchteten sich die Menschen in Griechenland ... vor einem wilden Löwen.
Fast richtig! Der Banknachbar machte aber wegen eines „Hörfehlers“ daraus:
Einst züchtigte ich die Menschen in Griechenland ... vor einem wilden Löwen.

Hercules, postquam leonem invenit, sagittas in bestiam misit.
(Nachdem Herkules den Löwen gefunden hatte, schoss er Pfeile auf das Tier/die Bestie.)
Nachdem Hercules den Löwen gefunden hatte, schickte er einen Pfeil zur Bestie.
Herkules stach, nachdem er zu dem Löwen gekommen war, einen Pfeil in die Bestie ...,
... warf er einen Pfeil in die Bestie.
..., warf er einen Pfeil auf die Bestie.

Sed leo sagittis vulnerari non potuit, cum corium eius durissimum esset.
(Aber der Löwe konnte durch die Pfeile nicht verwundet werden, weil sein Fell äußerst hart war.)
Aber den Löwen sein Fell wurde dadurch nicht verletzt, weil sein Fell hart ist.
(Randnotiz: Ruhrpott!)

Tum Hercules gladio leonem petivit, ...
(Dann griff Hercules den Löwen mit dem Schwert an, ...)
Dann suchte Hercules den Löwen mit dem Schwert auf, ...

Deinde clava caput bestiae pellebat. (Danach schlug er mit der Keule auf den Kopf der Bestie.)
Dann griff er den Kopf der Bestie mit einer Keule an.
Er brachte die Bestie um ihren Kopf (köpfte sie). (Randnotiz: Wie denn?)

Cum etiam clava fracta esset, Hercules unam rationem invenit, qua leonem necare posset: ...
(Als auch die Keule zerbrochen war, fand Hercules die einzige Möglichkeit/Methode, mit der er den Löwen töten konnte: ...)
Als auch die Keule zerbrochen war, dachte Hercules einmal mit Vernunft nach, wie er den Löwen töten könnte: ...
Als er auch die Keule zerbrochen hatte, verließ Herkules als einziger den Raum, da er den Löwen besiegt hatte.

Manibus bestiam necavit...
(Er tötete das Tier/die Bestie mit seinen Händen. ...)
Er tötete die Bestie mit der eigenen Tatzte. (Original-Rechtschreibung!)
Der Löwe ist vor Furcht gestorben.

Homines timore leonis liberati Herculi magnam gratiam habebant.
(Die von der Furcht vor dem Löwen befreiten Menschen waren Herkules sehr dankbar.)
Die Menschen haben lieber Angst vor dem großen Hercules als vor dem Löwen.


Caesar bei den Piraten, ganz schön „cool“ (und neuderdings auch sexy)!

Caesar, cum Rhodum in insulam navigaret, a piratis pecuniae cupidis captus est.
(Als Caesar zu den Insel Rhodus fuhr, wurde er von geldgierigen Piraten gefangen.)
Als Caesar zu der Insel Rhodos segelte, war er begierig nach den Köpfen der Piraten.
Caesar segelte auf die Insel Rhodus, als die Piraten begierig nach seinem Körper waren.

Caesar ipse captivus apud piratas mansit, sed tamen numquam timore eorum perterritus est.
(Caesar selbst blieb als Gefangener bei den Piraten, er ließ sich aber niemals von Angst vor den Piraten erschüttern.)
Caesar blieb ..., aber dennoch schreckte er mit seiner Furcht niemanden ab.
..., aber er hatte niemals Angst, von ihnen erschreckt zu werden.
..., aber niemand hatte Angst und ließ sich von ihm erschrecken.


Iterum atque iterum eos admonuit: „Cavete! Vos omnes poenas iustas sceleris vestri dabitis!“
(Immer wieder warnte er sie: "Hütet euch! Ihr alle werdet die gerechte Strafe für euer Verbrechen bekommen!")
„Das ihr uns nichts böses antut und keine Sehschlacht gegen uns führt!“(Original-Rechtschreibung!)

Et profecto Caesar paulo post e manibus piratarum liberatus eos vicit atque acriter punivit.
(Und wirklich wurde Caesar wenig später aus den Händen der Piraten befreit; er besiegte sie und bestrafte sie hart.)
Und in der Tat erschlug Caesar die Piraten nach der Ermahnung und befreite sie. (Randnotiz: Wovon?)

Auch Germanicus hat einiges zu bieten:

Germanicus eum legatum, qui aquilam undevicesimae legionis clade Variana amissam reppererat, ad se adduci iussit gratulandi causa.
(Germanicus befahl, den Legaten, der den bei der Niederlage des Varus verlorenen Adler der 19. Legion wiedergefunden hatte, zu ihm zu bringen, um ihm zu gratulieren.)
Germanicus befahl diesem Legaten, ... , zu sich zu kommen und ihm zu gratulieren.

Germanicus ... in Italiam rediit, ut triumphum ageret Germanis nondum superatis.
(Germanicus ... kehrte nach Italien zurück, um einen Triumph zu feiern, obwohl die Germanen noch nicht besiegt waren.)
Germanicus ... kehrte nach Italien zurück, damit er den Triumph feiern und die Germanen nicht noch einmal übertreffen konnte.

Wie war das noch mal mit Brutus und Cassius?

Brutus et Cassius et alii coniurati patriam reliquerunt et in Graecia copias magnas comparaverunt.
(Brutus und Cassius und die anderen Verschwörer verließen das Vaterland und verschafften sich in Griechenland große Truppen.)
Brutus und Cassius beschafften dem Vater Reliquien und in Griechenland große Truppen.

Der etwas andere "Raub der Sabinerinnen":

Antiquis temporibus adulescentes Romani uxores petentes propinquis civitatibus spectacula nuntiaverunt.
(In alten Zeiten kündigten die jungen römischen Männer, die sich Ehefrauen verschaffen wollten, den benachbarten Städten Schauspiele an.)
In alten Zeiten suchten die jungen römischen Frauen benachbarte Stämme auf, um dort Schauspiele aufzuführen.
In alten Zeiten versuchten die jungen römischen Männer, den Frauen aus den benachbarten Städten ein Schauspiel mitzuteilen.

Multi homines in urbem modo conditam convenerunt.
(Viele Menschen kamen in der gerade gegründeten Stadt zusammen.)
Viele Menschen kamen in die Stadt, um sie zu gründen.

..., iuvenes Romani signo dato accurrerunt, virgines Sabinorum rapuerunt atque in domus suas traxerunt.
(..., auf ein Zeichen hin liefen die römischen jungen Männer herbei, raubten die Sabinerinnen und schleppten sie in ihre Häuser.)
..., raubten die Frauen der Sabiner die Römer aus und schleppten es in ihre großen Häuser.

..., bellum finitum est uxoribus novis Romanorum patres fratresque Sabinorum orantibus.
(..., der Krieg wurde beendet, weil die neuen Ehefrauen der Römer die Väter und Brüder der Sabiner darum baten.
... und den Römern wurden die neuen Frauen von den Vätern und Brüdern der Sabinerinnen wieder weggenommen.
... und als der Krieg beendet war, sind die neuen Frauen den sabinischen Vätern und Söhnen zurückgegeben worden.

Die etwas andere "Wölfin":

Gemini a lupa servati et nutriti postea a Faustulo pastore inventi et educati sunt.
(Die Zwillinge, die von einer Wölfin gerettet und genährt worden waren, wurden später von dem Hirten Faustulus gefunden und aufgezogen.)
...Gemina, ein Wolf, rettete sie und ernährte sie, später ... (Randnotiz: Mit der Flasche?)

Arion und der Delphin (oder "Die Macht der Musik")

Arion autem a magno delphino e fluctibus sublatus et servatus est. Arion, in dorso deophini sedens et voce dulcissima cantans, sine periculo ad litus portatus est.
(Arion aber wurde von einem großen Delphin aus den Fluten gehoben und gerettet. Arion, der auf dem Rücken des Delphins saß und mit wundervoller Stimme sang, wurde ohne Gefahr zum Strand getragen.)
Arion landete im Flug auf einem großen Delphin und war gerettet.
Arion saß auf dem Rücken des Delphins und mit seiner schönen Stimme sang er sich ohne Gefahr zur Küste.

Neues von Dido und Aeneas:

Itaque Aeneas Didonem deseruit et in Italiam navigavit. Dido autem dolore mota ipsa mortem sibi dedit..
(Deshalb ließ Aeneas Dido im Stich und fuhr nach Italien. Dido aber gab sich, vom Schmerz überwältigt, selbst den Tod).
... Dido aber überlistete ihn und ermordete ihn.
... Dido aber überlistete ihn und gab sich den Tod.


Neues von der Schlacht bei Marathon:

Tota planitie a militibus Persarum completa Athenienses tamen non desperabant, sed spem in virtute ponebant.
(Obwohl die ganze Ebene mit Soldaten der Perser gefüllt war, verzeifelten die Athener dennoch nicht, sondern setzten ihre ganze Hoffung in ihre Tapferkeit.)
Obwohl die ganze Ebene von persischen Soldaten gefüllt war, verzweifelten die Athener dennoch nicht, aber die Hoffnung in die Tapferkeit legte sich.

Signo dato magna celeritate impetum in Persas fecerunt, hostes aut interfecerunt aut usque ad naves pepulerunt.
(Als ein Zeichen gegeben worden war, machten sie mit großer Schnelligkeit einen Angriff auf die Perser, töteten entweder die Feinde oder trieben sie bis zu den Schiffen.)
Als ein Zeichen gegeben worden war, machten die Athener mit großer Schnelligkeit einen Angriff auf die Perser, die sie solange töteten, bis die Schiffe der Feinde in Beschlag genommen waren.

Aus einem Lehrbuch-Text:

..., consilium ceperat se stultum esse simulare neque e regno fugere.
(..., hatte den Plan gefasst vorzutäuschen, dass er dumm sei, und nicht aus dem Königreich zu fliehen.)
..., ergriff sich einen dummen Rat und täuschte Flucht vor dem König vor.

Dominus, ubi ad villam venit, vilicum roget, cur servos senectute confectos non vendiderit.
(.Sobald der Herr zu seinem Landhaus gekommen ist, soll er den Verwalter fragen, weshalb er die vom Alter geschwächten Sklaven nicht verkauft hat. )
Sobald der Herr zu seinem Gutshof kommt, soll er den Verwalter fragen, warum er die Sklaven in hohem Alter erledigt und nicht verkauft hat.


Originelle Original-Texte :

Caesar, Bellum Gallicum I,46
..., tamen committendum non putabat, ut pulsis hostibus dici posset eos ab se per fidem in conloquio circumventos.
(..., dennoch glaubte er, es nicht riskieren zu dürfen, dass nach der Niederlage der Feinde gesagt werden konnte, diese seien unter Missbrauch des Vertrauens während einer Verhandlung hintergangen worden.)
..., glaubte doch nicht riskieren zu müssen, und durch den gegnerischen Anschlag sagen zu können, dass diese sich unter Missbrauch seines Vertrauens im Gespräch im Kreis drehten (gingen).

Caesar, Bellum Gallicum VII, 32,5
..."civitatem esse omnem in armis. ..."
(.."der ganze Stamm sei bewaffnet/stehe unter Waffen)
... alle Bürger würden sich in den Armen liegen. ...

Sallust, Coniuratio Catilinae 9
Igitur domi militiaeque boni mores colebantur;
(Also wurden in Krieg und Frieden die guten Sitten gepflegt;)
Also wurden die Häuser und Soldaten durch gute Sitten gepflegt;

Sallust, Coniuratio Catilinae 23
Huic homini non minor vanitas erat quam audacia.
(Dieser Mensch besaß nicht weniger Leichtsinn als Kühnheit/Dreistigkeit.)
Bei diesem Mensch war nicht der Leichtsinn furchteinflöhsend, sondern seine Kühnheit. (Original-Rechtschreibung und Grammatik)

Sallust, Coniuratio Catilinae 23
Erat ei cum Fulvia, muliere nobili, stupri vetus consuetudo.
(Er hatte mit Fulvia, einer adeligen Frau, ein altes ehebrecherisches Verhältnis.)
Er war dies begleitet von Fulvius, eine adelige Frau, ... (Original-Grammatik)

Sallust, Coniuratio Catilinae 23
..., quae audierat, compluribus narravit;
(..., was sie gehört hatte, erzählte sie mehreren;)
..., diese hörte zu, sie segelte mit ziemlich vielen.

Der "Stowasser", dein Freund und Helfer, z.B. "caelum, -i n. - der Grabstichel" und "tibia - das Schienbein":

Sallust, Coniuratio Catilinae 31
Ad hoc mulieres, quibus rei publicae magnitudine belli timor insolitus incesserat, adflictare sese, manus supplices ad caelum tendere, miserari parvos liberos, ...
(Die Frauen aber, die eine wegen der Größe des Staates ungewohnte Angst vor einem Krieg befallen hatte, schlugen sich verzweifelt gegen die Brust, streckten flehend die Hände zum Himmel, beklagten ihre kleinen Kinder, ...)
Die Frauen, die mit der Hand des Verdächtigen Grabstichel halten, die Freiheit weniger beklagen, ...

Sallust, Coniuratio Catilinae 52
Si ita esset, multo pulcherrumum eam nos haberemus; quippe sociorum atque civium, praeterea armorum atque equorum maior copia nobis quam illis est.
(Wenn es so wäre, hätten wir einen viel schöneren <Staat>; denn wir haben eine größere Menge an Verbündeten und Bürgern, außerdem an Waffen und Pferden als jene <die Vorfahren>.)
... denn ist es nicht so, dass Bürger und Bundesgenossen aus Liebe zu den Pferden eine größere Menge an diesen hatten.

Seneca, Epistulae morales 50, 2 ff. zum Thema "Geistige Blindheit":
Hoc, quod in illa ridemus, omnibus nobis accidere liqueat tibi.
(Dir soll klar sein, dass das, was wir bei ihr merkwürdig finden, uns allen geschehen kann.)
Später lachte jener, denn es war klar, dass sie mit dem Schienbein hinfallen würde.
(Wer nicht weiß, was "tibi" heißt, sucht im Stowasser und findet unter "tibia" das Wort "Schienbein"!)

Manche Stilblüten können auch Schmerzen verursachen!

Sallust, Coniuratio Catilinae 53
Sed mihi multa lengenti, multa audienti, quae populus Romanus domi militiaeque, mari atque terra praeclara facinora fecit, forte lubuit adtendere, quae res maxume tanta negotia sustinuisset.
(Aber mich, der ich viel lese und höre, welche hervorragenden Taten das römische Volk in Krieg und Frieden, zu Lande und zu Wasser vollbracht hat, reizte es unwillkürlich zu betrachten, welche Sache am meisten so gewaltige Taten ermöglichte.)
Aber meine vielen Gesandten und ... haben der Erde und dem Meer das herrliche Antlitz gegeben ...
Aber mich betrachteten unwillkürlich Viele Legaten und viele Kühne, welche im römischen Volk Herren und Soldaten waren, ...
Aber ich machte mit Männern viele glänzende Verbrechen auf den Meeren und am Land, ...

Sallust, Coniuratio Catilinae 52
Sed alia fuere, quae illos magnos fecere, quae nobis nulla sunt: domi industria, foris iustum imperium, animus in consulendo liber.
(Es war aber etwas anderes, was sie <die Vorfahren> groß gemacht hat: Zu Hause Fleiß, draußen eine gerechte Herrschaft, ein bei der Beratung freier Geist.)
... : die Tätigkeit des Hauses war unabhängig weder von Vergehen noch von Begierde, als den gerechten Staat draußen das Herz im Konsul befreit war. (Randnotiz "Autsch!")

Seneca, Epistulae morales 44 zum Thema „Die Philosophie leuchtet allen!“ (Wirklich allen?)
Patricius Socrates non fuit;
(Sokrates war kein Patrizier;)
Patrizius Socrates macht nichts;

Seneca, Epistulae morales 23 zum Thema „Die wahre Freude“
Mihi crede, verum gaudium res severa est.
(Glaube mir, wahre Freude ist eine ernste Sache.)
Glaube mir, die Wahrheit der vergnüglichen Dinge ist ernst.
Übergebe mir die wirkliche Freude, die ernst ist. (Original-Grammatik)
Vertraue mir an, warum die Freude eine ernste Sache ist.
Vertrau mir, die ernste Sache ist eine wahre Freude.

Volo illam tibi domi nasci.
(Ich möchte, dass sie <die Freude> dir zu Hause erwächst / bei dir zu Hause entsteht.)
Ich will, dass dir jene von deinem Herrn geboren wird.
Ich will, dass deine Freude gebändigt heranwächst.

Ceterae hilaritates non implent pectus.
(Andere Arten von Frohsinn erfüllen das Herz / die Brust nicht.)
Im übrigen schwängern sie die Freu(n)den nicht im Gemüt.

Seneca, Epistulae morales 76, 9 zum Thema "Das Beste am Menschen":
(Die Vernunft? Von wegen! Die "Barmixer-Methode" ist doch viel kreativer!)

Ratio ergo perfecta proprium bonum est, cetera illum cum animalibus satisque communia sunt.
(Die vollkommene Vernunft ist also sein charakteristisches Gut, das Übrige hat er mit den Tieren und Pflanzen gemeinsam.)
Deshalb ist der Verstand eines Erwachsenen beständig gut, die übrigen haben hinreichend Verstand, um mit Tieren zu reden.

Seneca, Epistulae morales 50, 2 ff. zum Thema "Geistige Blindheit"
Haec Fatua subita desiit videre. Incredibilem rem tibi narrabo, sed veram: nescit esse se caecam.
(Diese Närrin hörte plötzlich auf zu sehen. Ich erzähle dir eine unglaubliche, aber wahre Sache: sie weiß nicht, dass sie blind ist.)
Sie hat die Närrin plötzlich beim Faulenzen* gesehen.
... Plötzlich sah ich, dass die Närrin aufhörte.
Diese Närrin ist plötzlich untätig.
*In der Einleitung wurde darauf hingewiesen, dass mit der "fatua" eine Hausangestellte gemeint ist. Daher die Schlussfolgerungen mit der "faulen Hausangestellten".

Hoc, quod in illa ridemus, omnibus nobis accidere liqueat tibi.
(Dir soll klar sein, dass das, was wir bei ihr merkwürdig finden, uns allen geschehen kann.)
Diese fielen alle auf uns nieder, um uns aufzuklären, weil wir über jenes lachten.

Caeci tamen ducem quaerunt, nos sine duce erramus et dicimus: ...
(Blinde suchen wenigstens einen Führer, wir irren ohne Führer umher und sagen: ...)
Blinde wünschen sich wenigstens das Heiraten, wir irren uns ohne Heirat und sagen: ...

Non est meum vitium, ... , quod nondum constitui certum genus vitae; adulescentia haec facit.
(Es ist nicht meine Schuld, ..., dass ich noch keine feste Lebensordnung habe; meine Jugend ist dafür verantwortlich.)
..., weil nicht einmal die Abstammung sicher das Leben fortsetzt; das macht die Jugend.

Non est extrinsecus malum nostrum: intra nos est.
(Unsere Schlechtigkeit kommt nicht von außen: sie ist in uns.)
Es ist nicht das Schlechte, was uns ausgetrocknet hat:

Seneca hat Recht, wenn er sagt (ep.16, 9):

„Nullus enim terminus falso est. (Für das Falsche gibt es nämlich keine Grenze.)
... error immensus est. (... der Irrtum ist grenzenlos.)

Das ist auch gut so, denn sonst gäbe es keine Stilblüten!

(Fortsetzung folgt bestimmt!)